logoblogg.de • Elektrische Zigarette 

Donnerstag, 26.10.2006

Die Rockies

Beeindruckende Bergpanoramas, Gletschereis, blaue Seen, Schnee bis zu den Knien, Wölfe,? das alles sollte uns auf unserer Abschlusstour durch die Rocky Mountains erwarten. Nachdem sich unsere Bamberger Mädels in Vancouver verabschiedet hatten, blieben nur noch wir drei Braunschweiger Jungs und Calvin aus Kanada übrig, um in einer Woche die Bergregionen Albertas und British Columbias zu erobern.

Am ersten Tag der Reise schafften wir es bis nach Kelowna im Okanagan Valley. Diese Talebene zwischen den Coastal Mountains und den Rockies zeichnet sich durch besonders geringe Niederschläge aus. Der Baumbestand ist dort äußerst dünn, einige Gebiete werden gar als Wüste bezeichnet. Wir ließen uns dort auf einem Campingplatz nieder und versprachen dem Besitzer auch artig zu sein, da wir sonst seine Stammgäste älteren Semesters vertreiben würden. Denn dann vertriebe er nämlich uns und dann wäre Feierabend ? alles klar?! Damit wir gar nicht erst Gefahr liefen den Abend Radau zu machen, tauchten wir in der Stadt in einer Bar mit echt guter Livemusik ab und kamen erst spät wieder.

Da Senioren im Gegensatz zu uns früh morgens Lärm machen, wurde es mit Ausschlafen nichts. Auch egal, so kamen wir wenigstens früh los. Wir gewannen schnell an Höhe, passierten den Glacier National Park, bestaunten die immer größer werdenden Berge und erreichten am Nachmittag den Yoho National Park - unser Ziel für die ersten Tage. Die große Unklarheit war die Uhrzeit. Haben wir schon die neue Zeitzone (Mountain Time) erreicht? Unsere zwei Reiseführer widersprachen sich darin grundlegend, aber tatsächlich mussten wir die Uhren eine Stunde vorstellen. Hinweisschilder an der Straße gibt es übrigens nicht dafür.

Auf dem ?Kicking Horse? Campground mieteten wir uns für zwei Nächte einen Zeltplatz und durften sogar zwischen noch freien Plätzen wählen. Die Entscheidungsnot, gepaart mit diversem Hin- und Herfahren, endete schließlich an einem Holzpömpel. Oder besser gesagt: die hintere Stoßstange endete dort und war erstmal gehörig im Eimer. Egal?Mietwagen ist vollkaskoversichert und bei den ganzen Under-Age-Fees ist es auch mal unser gutes Recht etwas kaputt zu machen. Zum Abend kochten wir uns etwas Warmes auf dem Campingkocher und liefen noch zum Kicking Horse River. Der Name geht übrigens tatsächlich auf die Geschichte eines Mannes zurück, der bei der Flussüberquerung von seinem Pferd umgetreten wurde.

Das Wetter am nächsten Tag war viel versprechend. Zwar kamen wir ? wie immer ? nicht wirklich früh los, machten aber einen der wohl beeindruckendsten Hikes des ganzen Jahres. Wir starteten an den Takakkaw Falls, dem höchsten Wasserfall der kanadischen Rockies. Über 380 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe, gespeist von einem großen Gletscher. Die Eismassen konnten wir von unten kaum sehen, wohl aber von der gegenüberliegenden Seite, nachdem wir rund 500 Höhenmeter zu Fuß überwunden hatten. Es war wirklich eine riesige Landschaft! Wir hatten einen atemberaubenden Panoramablick und standen selbst auf der Endmoräne eines anderen Gletschers. Hinter uns das Eis, unter uns Steinlandschaft und Gletscherbäche und vor uns das breite Tal mit dem Wasserfall. Von Mittagspausen-Wraps gestärkt wanderten wir bis fast zur Dämmerung über weitere Bäche und an weiteren Wasserfällen vorbei.

Abends waren wir gut geschafft, machten uns wieder leckeres Essen auf dem Campingkocher und freuten uns auf eine erholsame Nacht. Daraus wurde allerdings nur bis ca. 4 Uhr morgens etwas, als wir von prasselndem Regen geweckt wurden. Fortan war nur noch eine Frage von Bedeutung: wie lange hält das Baumarktzelt dem stand? Vier Stunden waren es, bis die Pfützen im Innern wirklich unerträglich wurden und so mussten wir für die nächste Nacht ein Hostel suchen, um unsere Sachen zu trocknen.

Wir änderten unsere Pläne und fuhren nach Banff, im gleichnamigen Nationalpark. Dieser Ort ist extrem touristisch, ohne Flax, jeder dritte Laden dort ist ein Tourishop. Ein Hostel gibt es aber zum Glück auch und so kamen wir erstmal unter, hatten eine Küche und konnten unsere Sachen waschen?purer Luxus! Das Mistwetter überbrückten wir mit gemütlichem Kochen am Spätnachmittag und trafen auch allerhand interessante Leute im Hostel, denen es ähnlich ging. Zwei ältere Motorradfahrer, die von Toronto aus zu einer dreimonatigen Nordamerika Rundreise gestartet waren, eine Australierin, die ihren Hefeextrakt immer am Körper trägt damit keiner das Zeug klaut, eine Neuseeländerin, ein paar andere Australier? Abends sind wir noch in eine Bar und einen Club gegangen.

Am nächsten Tag wurden wir um 11 Uhr geweckt. So was! Wir hatten bis zur Check-Out-Time gepennt und wurden rausgeworfen. Dann der Blick nach draußen ? alles weiß! Es schneeregnete auch immer noch, so dass uns klar war, dass wir auch an diesem Tag nicht viel anstellen konnten. Also verlängerten wir unseren Aufenthalt spontan und machten einen auf gaaanz gemütlich. Etliche Stunden hingen wir in den Hot Springs rum ? das ist ein Pool, der von heißem Wasser gespeist wir, das irgendwie aus der Erde kommt. Herrlich entspannend war das! Und uuups, schon war es spätnachmittags und wir fanden gerade noch Zeit zu kochen, bevor wir zum Pubcrawl starteten, der von unserem Hostel aus organisiert wurde.

Bei immer noch leicht wolkenverhangenem Wetter fuhren wir am nächsten Morgen wieder nordwärts. Lake Louise erreichten wir nach ca. 80 Kilometern. Dieser See ist auch extrem touristisch, aber echt schön. Dazu trägt besonders das Panorama der dichten und hohen Berge bei, die das Wasser umschließen. Ähnliches gilt für den Moraine Lake in etwas höherer Lage, den wir natürlich auch nicht ausließen.  

Eine der berühmtesten Straßen überhaupt ist der Icefield Parkway, der vom Banff Nationalpark aus den nördlich angrenzenden Jasper Nationalpark durchquert und bis zur gleichnamigen Stadt führt. Die Route führt direkt entlang der Continental Divide, heißt: alle Flüsse auf der Westseite der Bergkette fließen in den Pazifik und alle auf der Ostseite in den Atlantik. Es ist echt eine beeindruckende Straße, gesäumt von zahlreichen steilen Felswänden und Gletschern. Einen davon konnten wir auch betreten.

Der Athabasca Glacier ist sogar so erschlossen, dass man ihn mit speziellen Bussen befahren kann, wovon wir aber absahen. Stattdessen wanderten wir auf die Gletscherzunge, wobei auf dem Weg dorthin Markierungssteine anzeigten wo dieser Gletscherauslauf in zurückliegenden Jahren gewesen ist. Da wird einem das Abtauen der Eismassen erschreckend bewusst! Mehrere hundert Meter wanderten wir durch eine Steinwüste, die erst in den letzten Jahrzehnten so freigelegt wurde. Auf dem Eis darf man nur in einem kleinen markierten Bereich bleiben, sonst fällt man in eine Gletscherspalte und dann ist auch Feierabend! Mit ziemlich makaberen Plakaten wir davor gewarnt.

Eine kurze Wanderung ermöglichte uns anschließend den Blick in ein abgelegenes Tal mit einer ebenfalls sehr beeindruckenden Eislandschaft. Es war mittlerweile dämmerig und wir setzten unsere Fahrt Richtung Jasper fort, als plötzlich zwei Wölfe halb auf der Straße standen. Wir hätten sie echt fast umgefahren, als sie uns mit großen Augen anstarrten. Im Wald verschwunden sind sie allerdings auch wieder recht fix.

Für die nächsten zwei Nächte hatten wir ein etwas primitiveres Hostel, wo es Wasser nur aus Kanistern gab, die draußen bei einem großen Tank aufgefüllt werden mussten. Klingt komisch, ist aber so! Man kann echt mit wenig auskommen?

Reichlich Schnee hatten wir am nächsten Tag am Maligne Lake. Bis zu den Knien versanken wir darin bei einer ausgiebigen Wanderung in den Bergen oberhalb des Sees. Teilweise sahen wir wirklich den Trail nicht mehr und beim Abstieg schlitterten wir nur so entlang des schmalen Pfades.

Am letzten Tag in den Rockies hatten wir endlich die Sonne wieder! Wir sahen uns zuerst den schmalen Maligne Canyon gleich gegenüber unseres Hostels an und fuhren dann zu einem See, wo sich viele Bieber aufhalten sollten. Wir wollten das kanadische Nationaltier persönlich kennen lernen, hatten aber nicht allzu viel Glück. Dennoch beeindruckend waren aber die Spuren, die diese Tiere hinterlassen. Zahlreiche angefressene und ?um?-gefressene Bäume standen und lagen entlang des Ufers und auch der Blick über das blaue Wasser mit den weißen Bergen im Hintergrund entschädigte.

Die zweite Tageshälfte nutzten wir für eine weitere Wanderung oberhalb der Baumgrenze. Zwei Aussichtspunkte vor einer Gletscherwand führten wir uns zu Gemüte, mit abermals beeindruckenden Panoramablicken. Auf dem Rückweg kam dann mein Last-Resort-Bär! Ich war schon etwas enttäuscht, bald das Land zu verlassen ohne einen wild lebenden Bären gesehen zu haben, als Calvin plötzlich durch das Auto schrie: ?Wow, shit! Bear, blackbear?no kidding!? Und da stand wirklich einer neben der Straße und schnüffelte ganz seelenruhig auf dem Boden herum. Es war perfekt, ich war extrem begeistert!

Meinen letzten Tag in Kanada verbrachten wir hauptsächlich mit Autofahren ? gut 10 Stunden hat es gedauert, bis wir wieder Vancouver erreichten? Gefeiert werden musste dann aber natürlich auch noch kräftig! In Verbindung mit dem frühen Aufstehen wegen des zeitigen Fluges wurde die Nacht so nur zwei Stunden kurz. Machte aber auch nichts, im Gegenteil, es beugte sogar erstaunlich dem drohenden Jetlag am nächsten Tag vor.

Am 20. September um 9 Uhr war es dann soweit! Der Moment war da...! Ich stieg ins Flugzeug, zusammen mit Andrea und Nicole. Dann ein kurzer Stopover in Calgary?und noch lange flogen wir über das Festland, bevor wir den Atlantik erreichten?ich ließ Kanada mit einer Träne hinter mir?

Thanks to Tanya, Leona, Saerom, Beth, Jonny, Calvin, Vince, Michi, Sabrina, Christoph, Nicole, Andrea, Patrice, Niciii, Thomas, Christian, Torben, Bastian, Nico, Steffi, Maria, Timo, Tracy, Katharina, Stephi, Susi, Eike, Julien, Negar, Armin, Thiemo, Franzi, Julia, Conny, Heather, Henning, Christine, Sam? ?and all the others for sooo many awsome trips and parties together!!!

Donnerstag, 28.09.2006

Die Westküste

Waterloo zu verlassen war natürlich ein merkwürdiges Gefühl! Klar, ein lachendes und ein weinendes Auge...viele Menschen die man wohl oder übel zurück lassen muss. Am 30. August war es auch für Thomas, Torben und mich so weit.

Weiterlesen

Montag, 28.08.2006

Bye bye Waterloo

Die Tage in Waterloo sind allmählich gezählt? Langsam bereite auch ich mich auf die Abreise vor ? mit als einer der letzten Exchange-Students der ?letzten? Generation. Die neue Truppe aus Braunschweig ist mittlerweile sogar auch schon angekommen, die ?Rocket? in den (un)glücklichen Händen eines neuen Besitzers.

Weiterlesen

Sonntag, 13.08.2006

Wer kommt denn da über den Atlantik...?

Mit dem Kanu den St. Lorenz rauf wäre schon eine Herausforderung gewesen?das Flugzeug ist dann wohl doch die bessere Wahl. Es landete sogar eine halbe Stunde früher als geplant, gerade als ich den Terminal betrat ? nach elf Monaten sah ich meinen Dad wieder.

Weiterlesen

Montag, 10.07.2006

Canada Day

Oh Canada! Our home and native land. True patriot lovein all our sons`command. With glowing hearts, we see thee rise?

Am 1. Juli ist Kanadas Nationalfeiertag und den kann man wohl kaum woanders intensiver erleben als in Ottawa. Wir sind am Vortag direkt nach dem deutschen Halbfinale ? also mit Elfmeterschießenverzögerung ? losgefahren. Zwölf Leute und zwei Autos. Beide natürlich mit einer rotweißen Flagge ausgerüstet.

Weiterlesen

Sonntag, 11.06.2006

Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein

Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland?! Riesenstimmung?! Alles Fans am Feiern in Germany?! Alle? Nee, eine kleine Gruppe von Studenten schwingt in Kanada die schwarz-rot-goldenen Flaggen.

Weiterlesen

Montag, 29.05.2006

Feels like Home

So, das ist meine neue Butze! Seit Mai wohne ich hier mit einem kanadischen Mädel (Katie), zwei kanadischen Jungs (John und Nicholas) und Christian von der Braunschweiger Truppe. Klappt auch echt gut die WG und es ist auf jeden Fall mehr los, als mit den Typen, mit denen ich in der Studentenanlage zusammen gewohnt habe.

Weiterlesen

Montag, 08.05.2006

The Rocket goes Manhattan

Dieser Urlaub war ausnahmsweise mit etwas mehr Trouble gespickt. In der letzten Woche der Finals haben wir sämtliche Umzüge vom ?Columbia Lake Village? in unsere neuen Wohnungen erledigt ? alles mit unserem fantastischen Van (Chevrolet ?The Rocket? Lumina). Am Donnerstagabend hatte ?The Rocket? dann keinen Bock mehr auf uns und kotzte sein Auspuffrohr mitsamt Schalldämpfer auf die Straße.

Weiterlesen

Samstag, 04.03.2006

Welcome to Miami!

Knapp vier Monate kanadischer Winter sind auch erstmal genug?habe ich mir mit noch sechs anderen Frostbeulen gedacht und einen Flug nach Florida gebucht. In der so genannten ?Reading Week? ist auf dem Campus eh nicht viel los, der Rest wird geschwänzt und auf geht?s in den Bereich des 25. Breitengrades (und damit auf Sahara-Niveau).

Weiterlesen

Montag, 06.02.2006

Ski'in USA

Ein Wochenende über die Pisten brettern, mitten im Term ? das wollte ich mir auch nicht nehmen lassen!

Von den Kanadiern die das vergangene Jahr in Braunschweig verbracht haben wurde uns angeboten, an einem Skitrip nach Vermont teilzunehmen. So etwas hat hier anscheinend Tradition?einige Leute die kurz vor dem Abschluss stehen organisieren noch einmal ein Gemeinschaftsevent für die Kommilitonen. Mit insgesamt vier Bussen waren wir unterwegs ? einer aus Waterloo und drei aus Toronto, was mit insgesamt rund 220 Beteiligten wirklich ein Gruppenerlebnis zu werden versprach.

Weiterlesen